SKANDALÖSE ZUSTÄNDE IN FLIEDENER FLÜCHTLINGSUNTERKÜNFTEN

Überfüllt war das Magistratsitzungszimmer im Fuldaer Stadtschloss bei
der letzten Sitzung des Ausländerbeirates am 11. April. Gekommen waren
zahlreiche Flüchtlingsfamilien mitsamt ihren Kindern aus der Fliedener
Unterkunft in der dortigen Bahnhofstraße, um um Hilfe zu rufen wegen der
menschenunwürdigen Lebensbedingungen in dem ehemaligen Fabrikgelände.
Fassungslos und mit zunehmender Empörung hörten die Mandatsträger von
unglaublicher Enge, schikanöser Behandlung, kulturellen Unzumutbarkeiten
und ärztlicher Unterversorgung.

Eines der drastischsten menschenfeindlichen Beispiele war, dass eine
15köpfige Familie in einem einzigen Raum von etwa 25 Quadratmetern
hausen muss, die Etagenbetten lediglich durch Vorhänge getrennt – und
dass zusätzlich zu diesen Frauen, Kindern und Männern noch zwei völlig
fremde alleinstehende Männer in den gleichen Raum eingepfercht wurden:
ein absoluter Menschenrechtsbruch nicht nur im engeren religiösen
muslimischen Sinne!

Die hygienischen Verhältnisse spotten jedem Maßstab Hohn, den der
Landkreis sich selbst für Unterkünfte gesetzt hat. Der Gang zur Toilette
ist nachts schier unzumutbar. Mitunter gibt es kein warmes Wasser;
Babys und Kleinkinder können nicht angemessen gepflegt werden.
Krankheitserreger keimen überall. Für 400 Menschen gibt es nur 9
Waschmaschinen, von denen allerdings momentan auch nur 5 funktionieren.
Ärztliche Hilfe sei mitunter sehr schwierig nur zu bekommen. Zudem leide
das gesamte Lager unter einer undurchsichtigen „Mischbelegung“ von
Insassen, die zum einen der Gießener Administration und zum anderen dem
Landratsamt Fulda unterstünden. Die unterschiedliche Zugehörigkeit werde
sichtbar, aber nicht begreifbar, durch blaue bzw. grüne Armbänder der
Bewohner und entsprechend unterschiedliche Möglichkeiten und Rechte.

Um den schier unglaublichen Realitätsgehalt dieser Schilderungen zu
überprüfen, machten sich vier Mitglieder des Ausländerbeirates mitsamt
dem Vorsitzenden Abdulkerim Demir und nach vorheriger Ankündigung im
Landratssamt am darauf folgenden Freitag nach Flieden auf. Im brüsken
Ton wurden sie jedoch von der uniformierten, aber keine sichtbaren
Namensschilder tragenden Security am Tor abgewiesen, mit dem Hinweis,
ihnen sei es strikt aufgetragen worden, den Mitgliedern des Ausländerbeirates

den Zutritt zu verwehren – „da könne ja jeder mit Bomben kommen“ …

Im Zeitalter der elektronischen Kommunikation erweisen sich solche
Schikanen als obsolet, und es kam zu vielen und bestätigenden Gesprächen
und Beschwerden vor dem Zaun. „Insgesamt liegt eine Atmosphäre von Angst
und Unsicherheit über der Unterkunft“, fasst Abdulkerim Demir zusammen
und verweist zudem auf Drohungen,  die vorher ausgesprochen worden
waren, wie: Ihr bekommt Ärger, wenn ihr mit dem Ausländerbeirat sprecht.

Ein erneuter Versuch Demirs, ein paar Tage später mit der
SPD-Landtagsabgeordneten Sabine Waschke das Lager zu betreten, war
erneut negativ. Immerhin freut sich Demir, dass über die Abgeordnete ein
erstes Licht auf die Verhältnisse falle und damit hoffentlich auch
erste Abhilfe möglich werde. Der Ausländerbeirat jedenfalls fordert den
Anstand der Zuständigen ab, nicht zuletzt den des Landrats selbst – und
er wird die weitere Entwicklung aufmerksam und hilfreich begleiten.

Schreibe einen Kommentar